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Hola ihr lieben Freund:innen des guten Kaffees!

Wir sind nun seit einigen Tagen auf der Finca Atinkana und dachten, es wird Zeit für ein kleines Update direkt vor Ort. Tatsächlich haben wir einiges zu berichten, denn wie so oft im Leben kommen die Dinge selten ganz so, wie man sie geplant hat.

Grosses Unwetter in der Sierra Nevada

Wer uns auf Instagram folgt, weiss bereits, dass wir schon in Santa Marta auf ein grosses Unwetter gestossen sind. Ganze Teile der Stadt standen unter Wasser, vielerorts wurde gemeinsam aufgeräumt und repariert, während draussen vor der Küste die Wellen weiter tobten.

Tatsächlich wütete im ganzen Land ein Sturm, der in manchen Regionen sehr verheerende Folgen hatte – unter anderem leider auch für die Finca Atinkana und andere kleinbäuerliche Betriebe in der Sierra Nevada

Allein die Reise hinauf zur Finca war beschwerlich. Mit unseren sieben Sachen haben wir uns teils zu Fuss, teils mit dem Motorrad durch Geröll und Schlamm nach oben gekämpft. Etwas Proviant hatten wir ebenfalls dabei, da es aktuell nicht möglich ist, mit dem Auto zwischen Stadt und Farm zu pendeln. Die Situation war dabei nicht ganz ungefährlich: Durch den anhaltenden Starkregen kommt es nach wie vor vermehrt zu Erdrutschen, weshalb wir besonders vorsichtig sein mussten.

Auf der Farm angekommen, ging es direkt ans Anpacken. Mehrere Tage lang haben wir gemeinsam mit den anderen Farmer:innen aufgeräumt und Schäden beseitigt. Während des Sturms wurden grosse Teile der Anbauflächen beschädigt, ebenso zahlreiche Bäume, die normalerweise eine wichtige Rolle beim Schutz der Böden vor Erosion spielen.

Laut Atinkana-Mitbegründer José sind die Schäden durch das Unwetter allerdings nicht das einzige Problem. Die klimatischen Veränderungen zeigen sich nicht nur in Form von Stürmen und Starkregen, sondern auch in einem insgesamt wärmeren Klima, das die natürlichen Anbauzyklen zunehmend durcheinanderbringt.

Immer häufiger kommt es vor, dass verkürzte Trockenperioden – normalerweise von Januar bis Mai – durch plötzlich einsetzende Regenfälle unterbrochen werden. Diese leiten eine vorgezogene Regenzeit ein (normalerweise von Mai bis Dezember) und bringen die Pflanzen deutlich früher zum Blühen. Der gesamte Rhythmus der Ernte gerät dadurch aus dem Gleichgewicht.

Hinzu kommt, dass die Klimaveränderungen die Regionen Kolumbiens sehr unterschiedlich betreffen. Während es in einigen Gebieten bimodale oder sogar multimodale Systeme mit mehreren Wechseln zwischen Regen- und Trockenzeit gibt, herrscht in der gebirgigen Sierra Nevada ein unimodales System vor. Das bedeutet: nur ein einziger Wechsel pro Jahr, was diese Veränderungen für die Ernte besonders problematisch macht. 

Und nun?

Natürlich hatten wir uns den schon lange ausstehenden Besuch bei José auf der Farm anders vorgestellt. Gleichzeitig haben uns diese Tage vor Ort noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie viel für kleinbäuerliche Betriebe auf dem Spiel steht, wenn sie nachhaltig und im Einklang mit der Natur wirtschaften möchten.

Die Klimakrise betrifft uns alle, aber eben nicht alle gleich stark. Es sind nämlich die Farmer:innen, deren Lebensgrundlage von stabilen Anbau- und Erntebedingungen abhängen. Wird eine Farm durch ein Unwetter schwer beschädigt oder zerstört, trifft das nicht zuerst die Endkonsument:innen, sondern jene Menschen, die vom Kaffee- und Kakaoanbau leben. Und das ist ein Aspekt, der unserer meiner Meinung nach viel zu wenig thematisiert wird. 

Wir haben Atinkana damals nicht gegründet, weil wir eine weitere Marke mit Schlagwörtern wie „nachhaltig“, „fair“ oder „transparent“ auf den Markt bringen wollten oder weil diese Begriffe gerade im Trend liegen. Wir haben Atinkana ins Leben gerufen, weil uns bewusst ist, dass wir in der Schweiz ein klares Zeichen setzen müssen: Für einen ganzheitlich nachhaltigen, fairen und qualitativ hochwertigen Kaffee– und Kakaomarkt, bei dem niemand entlang der Wertschöpfungskette einen Kompromiss eingehen muss. 

Denn Fakt ist: In der Schweiz trinken wir im Schnitt rund drei Tassen Kaffee pro Kopf und Tag¹ und konsumieren etwa 10,5 Kilogramm Schokoladenprodukte pro Person und Jahr². Damit gehören wir beim Kaffeekonsum europaweit zum oberen Drittel³, und bei Schokolade sind wir sogar an der europäischen Spitze – sowohl im Konsum als auch im Export⁴.

Gerade deshalb sehen wir es als unsere Verantwortung, Veränderungen hervorzurufen, langfristig zu denken und Strukturen zu unterstützen, die auch in Zukunft Bestand haben. Und wir hoffen, dass ihr uns weiterhin auf diesem Weg begleiten werdet.

Es folgen bald weitere Updates! Und wenn ihr uns noch nicht auf Instagram folgt, dann tut es sehr gerne, denn dort posten wir regelmässige Updates von der Farm. Uf gli & häbet’s guet!

Eure Coco 💚

Quellen

¹ Swiss Fair Trade: “Kaffeekonsum weltweit”
https://www.swissfairtrade.ch/schwerpunkte/kompetenzzentrum/fair-trade-kaffee/kaffeekonsum-weltweit-2/

² Chocosuisse: “Facts & Figures”
https://www.chocosuisse.ch/services/facts-figures

³ World Population Review: “Coffee Consumption by Country”
https://worldpopulationreview.com/country-rankings/coffee-consumption-by-country

⁴ Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA): “Schweiz und Belgien – Schokolade”
https://www.eda.admin.ch/eda/de/home/das-eda/aktuell/newsuebersicht/2022/11/schweiz-belgien.html